Die Videoinstallation „Von Baum zu Baum“

Filmoku zur Installation am 6. und 7. August im “Verwundeten Garten”.

Initiation und Idee

Ich war zu tiefst erschrocken, als ich in Susannes Garten kam: Von 13 alten Bäumen, die mal ein kleines Wäldchen gebildet hatten, waren gerade drei übrig geblieben. Wir – Susanne Kohler, Thorsten Fuhrmann und ich – hatten uns hier in Weilheim getroffen, wo Tage zuvor für eine Bodensanierungsmaßnahme der Stadtwerke alter Baumbestand gefällt worden war. Im Entsetzen über diesen radikalen Eingriff beschlossen wir, unsere Eindrücke in einem Kunstprojekt zu reflektieren. Wir gaben ihm den Titel “der verwundete Garten” und sahen dies als mögliches Pilotprojekt unserer neu gegründeten Gruppe “Kunst-im-Kontext” an. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht die geringste Ahnung , wie mein künstlerischer Beitrag einmal aussehen könnte. Bäume berühren mich, seit ich denken und fühlen kann. Als Vierjähriger war es für mich noch völlig natürlich, mich mit Bäumen zu unterhalten, über 50 Jahre später empfinde ich glücklicherweise wieder so.

An diesem Frühlingstag im Garten an der Pütrichstraße in Weilheim spürte ich deutlich den Schockzustand, der über dem Garten lag; die Schockstarre, in der sich die verbliebenen Bäume befanden.  Dabei musste ich daran denken, dass Bäume sehr soziale Wesen sind und sah eine Skizze von Joseph Beuys vor mir, wo er die Wurzeln der Bäume als Antennen beschrieb. Heute wissen wir: Sie kommunizieren tatsächlich miteinander, unterstützen sich bei der Abwehr von Schädlingen und ernähren sich sogar gegenseitig. Die Baumfällung hatte hier eine langwährende Lebensgemeinschaft abrupt zerstört. Ich beschloss, die Interaktion zwischen Bäumen zum Thema meines Beitrags zu machen, den ich als Videoinstallation realisieren wollte.

Magische Zeichen

Meine Acrylgemälde erinnern manchmal an Höhlenmalerei; andere zeigen komplexe, kleinteilige Abstraktionen. In fast allen Werken integriere ich eigene pictografische Zeichen im Stil einer Geheimsprache. Diese „Magischen Zeichen“ sind mein Gegenentwurf zu den vielen Signalen, Symbolen und Logos, die den modernen Menschen durch den Alltag steuern. Aus sich heraus haben sie keinerlei kybernetische Bedeutung; die Interpretation überlasse ich dem Betrachter. Sie können zur Sprache der Bäume werden.

Das Video „Von Baum zu Baum“

Für meine Videos verwende ich ausschließlich meine eigenen analogen Werke, die ich digital in langsame Bewegungssequenzen umsetze, und nenne dies „Animierte Malerei“. Sie führt den Betrachter behutsam in einen Zustand kontemplativer Wahrnehmung. Meine Idee war, den Raum zwischen den Bäumen als Projektionsfläche für das Video zu nutzen und sah vor meinem inneren Auge Bänder, die sich zwischen zwei  Bäumen spannten. Realisiert wurde die Installation mit rohem Baumwollnessel, den wir in ca. 8 cm Breite Bänder rissen und diese zu zwei Rollen a 200 m zusammen nähten.

„Die Sprache der Bäume“ thematisiert Bäume als intelligente und soziale Wesen, die sich gegenseitig nähren, helfen und beschützen. Ihre Interaktion visualisierte ich mithilfe meiner Magischen Zeichen.

Kunst im Kontext

Die Schnittstelle zwischen Kunst und Unternehmen kenne ich sehr gut aus meiner Tätigkeit als selbständiger Grafik-Designer. Mit Kunst im Kontext möchte ich meine Erfahrung einbringen, um Kreativität in Unternehmen zu fördern und komplexe Prozesse zu begleiten.