Susanne Kohler, der verwundete Garten, Doppelbelichtung

Fotokunst

Der verwundete Garten – eine fotokünstlerische Intervention

intervenire =  dazwischentreten, sich einmischen

Betrachtung

Seit September 2015 begleite ich den Prozess der Baustelle auf dem Nachbargrundstück. Die Baugrube weitet sich aus, es entsteht ein großer Krater, ähnlich einer klaffenden Wunde. Ich denke nach über das Wort „Verwundung“  und  „wie und wo entsteht Heilung ?“, übe mich in der Vermeidung gewohnter Denkreflexe und frage mich, warum mich Baustellen so faszinieren?

Berührung

Ich fotografiere, mache Notizen, gebe Assoziationen Raum, lasse mich „berühren“ von dem was hier geschieht. Jegliche Alltäglichkeit ist von diesem Ort gewichen, mal ist er Bühne, dann Installation oder Wüstenlandschaft. In den Monaten meiner Betrachtung, vollzieht sich eine tiefe Umwälzung vor meinen Augen. Viel Material wird bewegt. Transformation geschieht hier auf mehreren Ebenen. Es entstehen Fotografien, die das dokumentieren.

Verdichtung

Um auf den „verwundeten Garten“ künstlerisch zu reagieren, wird das Material der Fotografien selbst auch einen Prozess der Verdichtung durchlaufen. Meine emotionale Verwicklung mit dem Ort  verlangt danach, eine lineare Zeitachse, zu Gunsten einer transparenten Zeitdimension zu verlassen. Zeitebenen lagern sich übereinander und öffnen neue Räume. Aus dem gesammelten Bildmaterial entstehen verdichtete Doppelbelichtungen.

Susanne Kohler, Juni 2016